Tamiya´s Ferrari F360 Modena, Teil 1

im Maßstab 1/24 von Thomas Engel

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Dieser Baubericht befasst sich mit dem ersten Modell das ich nach einer „Pause“ von rund 15 Jahren begonnen habe. Er soll in erster Linie Ein- und Wiedereinsteigern Mut machen und helfen meine typischen Anfängerfehler zu vermeiden.

Für die ganzen Profis hier hat die Sache auch Ihre Vorteile: Ihr könnt in Erinnerungen schwelgen "Den gleichen Fehler habe ich früher auch gemacht! Da war ich 7 Jahre alt." und zu lachen habt Ihr bestimmt auch was: "Guck mal der baut den Ferrari 360 Modena Edizzione Orangenhaut".

Eine Sache noch: Der Realismus steht bei mir erst einmal nicht an erster Stelle. Ob die Farben im Innenraum wie im Original oder ob die Kabel im Motorraum genau an der richtigen Stelle sind muss warten.

So dann aber los: Nach dem öffnen der Tamiya Verpackung und Kamillentee trinken um die zitternden Hände zu beruhigen ging es auch schon ab. Anleitung raus gezottelt und erst einmal studiert.

Ich habe beschlossen, mit der Karosserie zu beginnen, da hier mehrfach lackiert wird und ich in den Trockenzeiten weiter nach Bauanleitung rumbasteln kann. Als erstes habe ich alle Teile die zur Karosserie gehören geklebt damit alle den gleichen Farbauftrag bekommen können und ich keine Kleberreste von lackierten Stellen entfernen muss.

Dann schön nass schleifen mit 1000'er Schmirgel. Es staubt nicht und die Körnung setzt sich auch nicht so schnell voll. Anschließend mit der Pistole grundiert, festgestellt das ich nicht richtig geschliffen habe (Bild 2 Kotflügel hinten) und wieder von vorne!

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Mein persönliches Waterloo sollte ich kurze Zeit später erleben. Beim Lackieren der Karosserie!

Erst einmal das Positive... die Grundierung war eine prima Idee. Selbst mehrfaches lackieren, prüfen und für säumig befinden und exzessiver Einsatz von Backofenspray hat meine Karosserie noch nicht in einen unförmigen Klumpen Plastikbrei verwandelt.

Ich habe am Anfang überlegt, ob ich mir die Mühe überhaupt machen soll. Roter Lack auf rotem Plastik müsste ja auch so gehen. Aber jetzt bin ich doch ziemlich froh.

Zum Lackieren benutzte ich Tamiya-Acryl, Tamiya-Verdünner, und eine Evolution 2 in 1 mit SilAir 20A Kompressor. Düse 0,4 und rund 1,0 bar.

Ich habe 3 möglichst dünne Lackierungen als Untergrund gemacht. Diese so gesprüht, dass man keinen nassen Spiegel hat, sondern nur so wenig, dass die Grundierung nach der dritten Schicht nicht mehr durchschimmert. Zwischendurch habe ich immer wieder mit Zahnbürste und Zahnpasta geschliffen und so kleine Unebenheiten auspoliert. Das ging noch!

Die Schlußlackierungen waren das Grauen. 1. Versuch: Farbe zu dünn! Glaube ich zumindest. Sobald sich das Licht im Lackauftrag gespiegelt hat, ging es auch schon los. Wunderschöne Tropfen laufen am Modell runter. Sieht toll aus, wenn man versucht einen Ferrari-Diorama mit Waschanlage zu bauen. Ansonsten ist es aber Mist. Also die Allzweckwaffe Backofenspray scharfgemacht und bei Null angefangen.

2. Versuch: Nach den Untergrundlackierungen und trocknen die Schlußlackierung. Ich glaube heute fest daran, dass es Menschen gibt, die unter dem Stern der Mattlackierung geboren sind. Zumindest an meiner Tastatur sitzt einer. Der ganze Lack ist matt und zu allem Überfluss fing meine Pistole an kleine Tropfen auf mein Auto zu spucken. Das größte Glück war, dass es an einer verdeckten Stelle passierte. Der Motorhaube!

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Bevor ich jedoch weitermachen konnte wurde mir ziemlich der Abend verdorben. Meine Freundin hat mich zum Küchendienst eingeteilt. für alle Singles zur Erklärung, dass sind die Arbeiten, die man am liebsten aus einiger Entfernung vom Fernsehsessel aus anschaut (Geschirrspüler ausräumen, Arbeitsplatten wischen, Cerankochfeld richtig saubermachen etc.). Um es kurz zu machen, ich bin bis zum Herd gekommen. Zum reinigen benutzen wir einen speziellen Reiniger der Verkrustungen vorsichtig abschleift! Ihr könnt Euch schon denken was jetzt passiert: "Schaaaaatz, kannst Du mal kurz alleine weitermachen??"

Da der Modena eh ein Übungsmodell ist probier doch mal was neues. Mit diesem Zeug kann man wunderbar schleifen. Ich bin total begeistert. Ich habe die Motorhaube in der Mitte abgeklebt um den Unterschied besser sehen zu Können. Ich hoffe Ihr könnt es auf den Fotos auch erkennen.

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Nach diesen Erfahrungen habe ich beschlossen noch ein wenig an meiner 8-Zylinder Ferrero-Rocher-Box mit der Airbrush zu üben und mich dann wieder ans Modell trauen. So schnell möchte ich die Pistole nämlich nicht ins Korn werfen. Die Ausrüstung war zwar ein Mega-Schnäppchen aber doch zu teuer um sie gleich zu entsorgen.

Dazu kommt, dass ich mit den Sprühdosen auch nicht wirklich gut bin. Als der F40 damals auf den Markt kam habe ich mit der Revell-Dose lackiert. Das Ergebnis hätte ich auch mit der Lammfell-Rolle hinbekommen.

Bei der Lackierung erhielt ich den Tipp dass zu wenig Verdünner in der Farbe sein könnte. Diesen Hinweis habe ich dankbar angenommen und die Ferrero-Box lackiert. Den Druck habe ich bei 1,0 bar belassen, den Abstand auch. Nur eine Sache ändern damit man weiß ob es daran lag, hat sich als gute Idee herausgestellt! Das sah schon fast nach einer richtigen Lackierung aus.

Ich bin mit meiner Hi-Tech-Pistole und meinem Modena in meinen Pappkarton gekrabbelt und habe voll der guten Hoffnung losgelegt. Ach, Modellbau ist so schön. Ich hatte mein Tagwerk fast vollbracht und grinste unter meiner Staubmaske wie ein kleines Kind da machte es FLUPP und der erste Tropfen (ca. 1mm Durchmesser) schmiegte sich auf die Tür. Etliche FLUPPS später machte sich die Erkenntnis breit: Modellbau ist so schrecklich! Hat Ferrari Modenas auch ohne Karosserie ausgeliefert???

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Glänzt ja ganz schön, aber auf dem Bild sind diese ärgerlichen FLUPP's auch nicht zu erkennen. Ich überlege jetzt, ob ich diese mit feinem Schmirgel beseitige, den Ceranfeldreiniger einsetze und dann poliere oder ob ich die chemische Keule raushole und wieder von vorne beginne. Was würdet Ihr machen? Soll ich evtl. erstmal schmirgeln, weil ich die harte Methode ja immer noch versuchen kann.

Ich habe übrigens festgestellt, wofür man den Tamiya-Lackierständer hervorragend nutzen kann! Beim lackieren hat er mir nicht wirklich geholfen, da ich ja die Karosserie nicht nur drehen sondern auch kippen muss. Aber wenn das ganze gute Zureden nicht mehr funktioniert kann man damit prima Druck auf die Karosserie ausüben. "Entweder Du lässt Dich jetzt richtig lackieren oder ich dreh Dich bis Dir schwarz vor den Scheinwerfen wird"

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Ich erhielt dann von einem befreundeten Modellbauer den Tipp mir doch mal Micro-Mesh-Tücher anzuschaffen. Da es die Arbeiten wirklich sehr erleichtert und auch nicht gerade ein Arm und ein Bein kostet sollte es bei keinem Plastikjunkie fehlen. Die Karosserie ist jetzt bereit für den finalen Lackauftrag.

Kompressor angeworfen, Pistole angesteckt und rein in meinen Pappkarton! Ich habe gestern wirklich nur den Body lackiert. Nach meinen diversen Übungseinheiten ist die Lackierung schon recht annehmbar. Die Konsistenz der Farbe stimmt so einigermaßen und auch mit dem Druck und der Entfernung komme ich jetzt ganz gut klar. Der Lack glänzt, hat aber noch ein paar schlechte Stellen.

Ich habe beschlossen diese jetzt vorsichtig rauszuschleifen und das gesamte Modell dann zu polieren. Ich möchte nämlich nicht noch mal von vorne anfangen und außerdem habe ich bereits sämtliche Backofen-Spray-Vorräte Berlins aufgebraucht.

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Als der Spießer der ich nun mal bin, habe ich mir für den Rest der Arbeiten einen Plan gemacht. Die Karosserie werde ich richtig austrocknen lassen bevor ich mit dem Schleifen anfange. Wie geplant habe ich nach vier Tagen Trocknungszeit meine lackierte Karosserie bearbeitet. Das was jetzt folgt ist echt tragisch. Bitte schickt alle minderjährigen und Personen mit schwachen Nerven aus dem Zimmer.

Filme wie "Philadelphia" und "Million Dollar Baby" sind echte Komödien gegen das was sich Sonntagabend in unserem Wohnzimmer abgespielt hat.

Ich habe vorsichtig angefangen mit 6k-Schleiftuch leichte Unebenheiten rauszuschleifen. Hat eine ganze Weile gedauert aber unter dem Strich ordentlich funktioniert. Also ganz glücklich mit einem Grinsen im Gesicht und einer Sehnenscheidentzündung im Zeigefinger das Modell wieder abgestellt und dann der Schock...

*Musik-Modus an* Filmmusik aus PSYCHO *Musik-Modus aus*

Aaaargh, Fingerabdrücke im Lack! Habt Ihr in etwa eine Vorstellung wie lächerlich es aussieht, wenn ein fast 40-jhriger auf dem Fußboden liegt, mit den Beinen strampelt und mit den Fäusten auf den Boden schlägt und schreit?

Aber egal, meine Therapeutin hat gesagt sie kann mich vollständig heilen. Ich darf nur nicht mit Polystyrol in Berührung kommen und keine Autos anschauen die kürzer als 3 Meter sind.

Ich habe die Karosserie erst einmal beiseite gelegt und wollte noch eine Woche warten bevor ich Sie das nächste Mal anpacke. Dann werde ich versuchen sie noch zu retten. Es gibt nur eine Alternative wenn das nicht funzt... noch mal von vorne!

Eine Woche später und nach eingehendem Verhör der Karosserie ob der Lack auch wirklich durchgetrocknet ist und stundenlanger Diskussion mit meiner Freundin warum mir der Ferrari den nicht antworten sollte habe ich es einfach probiert.

Zweimal ums Haus gerannt, Stretching gemacht, Zeigefinger ausgestreckt und PATSCH voll rauf aufs Dach. Da kann man nämlich am besten polieren wenn's nicht klappt. Kurz überlegt und kombiniert: Ein Lack der das aushält ist definitiv trocken.

Also ran an die Bouletten. Da das Beste gerade gut genug für meinen roten Flitzer ist habe ich zum Polieren die weiße Seidenbluse meiner Freundin aus dem Schrank geholt. Nach diesmal nur kurzer dafür aber umso heftigerer Diskussion habe ich beschlossen, dass Frauen die wirklich wichtigen Sachen im Leben nicht schützen können und eins meiner alten Baumwoll-T-Shirts rausgekramt.

Als erstes habe ich das Shirt feucht gemacht und mit einer winzigen Kleinigkeit Unipol kreisfürmig begonnen zu polieren. Ich habe das alles ohne Druck gemacht um nicht zuviel Farbe abzutragen. Dazu immer wieder mal den Zeigefinger angeschaut. So konnte ich ganz gut erkennen wie viel Farbe ich bereits runter genommen habe. Die Bereiche an die ich mit meinem Wurstfinger nicht rangekommen bin habe ich mit der Allzweckwaffe des Modellbauers poliert. An dieser Stelle kann man, wenn man genau hinhrt einen Tusch für den Q-Tipp hren.

Nachdem ich die Politur mit einer fürischen Stelle des Shirts und dem o.g. Wattestbchen (noch ein Tusch) wieder abgetragen hatte sah die ganze Sache gleich viel erfüreulicher aus. Trotz eingehender Suche konnte ich keine neuen Fingerabdrcke finden. Ich kann schon behaupten, dass das meiner guten Laune noch einen kleinen Schub gegeben hat.

Das wollte ich gleich ausnutzen. Gleich das Modell noch einmal mit der weichen Zahnbrste und etwas Splmittel unter warmem Wasser abgewaschen und ordentlich trocken getupft. für den nchsten Schritt habe ich das Wachs rausgeholt und das ganze Modell damit behandelt. Diesmal von Anfang an mit dem trockenen Baumwollshirt und wieder ohne Druck. Das Wachs ist zwar sehr fein, aber ein wenig Farbe trgt es natrlich auch noch ab.

Jetzt liegt das Ding vor mir und ich muss sagen, dass ich am Anfang nicht gedacht htte, dass ich das irgendwann mal, so hinbekomme.

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Es sind zwar noch einige kleine Fehlerchen im Lack zu erkennen, die stren mich aber derzeit berhaupt nicht. Der Vorteil ist, ich habe noch viel Platz um mich zu verbessern.

zu Teil 2

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