Trumpeter`s Kampfpanzer Ariete C1"

im Maßstab 1/35 von Klaus Hoffmann

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Der moderne Kampfpanzer Ariete C1 ist eine italienische Eigenentwicklung. Das Konzept wurde schon in den 80er Jahren erstellt, die Realisierung erfolgte in Zusammenarbeit der Firmen Iveco Fiat und Oto Melara jedoch erst ab 1997. Bis zum Jahr 2002 wurden die bestellten 200 Einheiten an das italienische Heer ausgeliefert.

Diese späte Umsetzung der Pläne hatte neben technischen vor allem auch wirtschaftliche Ursachen, die auch mit für die relativ geringe Stückzahl verantwortlich waren. Das Konzept für schnelle Eingreiftruppen, das verstärkt auf den gut bewaffneten und sehr mobilen Radpanzer Centauro setzt, spielte hier sicher ebenfalls eine wichtige Rolle.

Angetrieben wird das Fahrzeug von einem IVECO-Motor mit 937kw / 1200 PS Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit von ca. 65 km/h liegt unter der vergleichbarer Kampfpanzer, dafür ist die Reichweite von 570 km höher als z.B. die des Leopard 2. Als Hauptbewaffnung dient eine 120mm-Glattrohrkanone. Diese entspricht der Rheinmetall 120/44 und wurde von der Firma OTO-Melara in Lizenz gebaut. Das Richten der Kanone erfolgt hydraulisch, unterstützt von modernen Zielerfassungssystemen. An Bord befinden sich 42 Granaten; die Hauptwaffe kann die gängigen Munitionsarten verschießen. Zusätzlich sind zwei 7,62mm Fla-MG auf Turmlafetten installiert. Die 4 Mann starke Besatzung setzt sich wie üblich aus Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer zusammen.

Neben der optischen und konzeptionellen Verwandtschaft zur Leopard-Familie besitzt der C1 auch Komponenten direkt aus deutscher Produktion, so stammt z. B. die Getriebeeinheit von ZF und die Ketten von der Fa. Diehl.

Das italienische Heer konnte die Tauglichkeit des Ariete bei seinem Einsatz im Irak unter rauhen Einsatzbedingungen testen. Er wird wohl ein Exot bleiben, denn für einen erfolgreichen Export ist das Grundkonzept einfach nicht mehr zeitgemäß und offenbar auch vom Kampfwert her modernen Kampfpanzern wie zum Beispiel dem Leopard 2A6 oder dem amerikanischen Abrams M1A2 unterlegen.

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Der Bausatz von Trumpeter besticht durch sehr gute Detaillierung und eine tadellose Passgenauigkeit. Die üblichen Spritzgußrahmen werden ergänzt durch einen kleinen Decalbogen, Klarsichtfolie für die Winkelspiegel und eine gut detaillierte Vinylkette. Ich habe mir dazu den ebenfalls recht preisgünstigen Fotoätzteilesatz vom chinesischen Hersteller Lion Roar gegönnt.

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Die Nacharbeiten sind wirklich minimal. Bis auf vereinzelte minimale Gußgrate und ein paar leicht zu behebende Sinkstellen gibt es keine Schwächen. Die Sinkstellen befinden sich vor allem an der Wannenseite und am Turm und lassen sich nach Abkleben der strukturierten Schweißnähte mit Tamiya-Abdeckband problemlos verspachteln und verschleifen.

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Ich habe den Bau in drei Gruppen vorgenommen: Turm, Ober- und Unterwanne. Diese Vorgehensweise gestattet unter anderem die komplette Montage und Lackierung des Laufwerks und der Oberwanne inklusive Kettenschürzen. Durch die gute Passung lassen sich später die fertig lackierten Wannenteile mit minimalsten Retuschierarbeiten montieren.

Begonnen wurde mit dem Laufwerk, dessen Montage zwar aufgrund sehr ähnlich aussehender Teile etwas Aufmerksamkeit verlangt, aber ansonsten unkritisch ist. Obwohl vom Laufwerk nach der Montage durch die Kettenschürzen nicht mehr viel zu sehen ist, gibt sich der Bausatz auch hier keine Blöße.

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Der Lion Roar-Satz enthält als Hingucker mehrere hauchfein geätzte Gitterteile, aus denen sich das Motorlüftergitter zusammensetzt. Dies verlangt einen kreisrunden Ausschnitt in der Motorabdeckung, der sich beispielsweise mit einem handelsüblichen Kreisschneider aus dem Architekturbedarf problemlos vornehmen lässt.

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Um zu verhindern, dass später Licht ungünstig durch das Gitter scheint, wurde mit etwas Abstand ein mattschwarz lackiertes Stück Plastiksheet innen eingeklebt.

Die Halterungen der Abschleppseile wurden durch Splinte aus dünnem Kupferdraht ergänzt. Für die Abschleppseile selbst wurde nicht die Bausatz-Schnur verwendet. Echte Edelstahlseile, in diesem Fall mit 0,8 mm Durchmesser, sind hier eine fast unschlagbare Alternative. Es empfiehlt sich, die Seile vor der Verarbeitung mit einer Lötlampe auszuglühen. Dies hat gleich mehrere Vorteile: Das Seil nimmt eine sehr originalgetreue Farbe an und bedarf keiner weiteren Nachbehandlung. Zudem wird es viel geschmeidiger, was die Montage enorm erleichtert. Und drittens werden alle Öl- oder Fettreste komplett beseitigt, so dass Klebstoffe problemlos haften. Die Frontscheinwerfer hab ich mit einem Kugelfräser ausgehöhlt, mit Bare Metal Folie ausgekleidet und mit 2-Komponentenkleber für Glas von Pattex gefüllt, der glasklar und ohne nennenswerte Schrumpfung trocknet

Am Turm kamen die meisten der Ätzteile zum Einsatz, vor allem im Bereich der Lafetten und der Werkzeughalterungen. Die Lafettenringe wurden aus Stabilitätsgründen ausnahmsweise verlötet statt geklebt.

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Hier ist etwas Obacht geboten, denn aufgrund der leicht geneigten Turmoberseite sollte man die Stützbleche einzeln in der Länge anpassen. Die PE-Teile sind hier nicht genau genug.

Weiterhin wurde der Bügel der Säge durch Kupferdraht ersetzt, ebenso die PE-Ketten der Nebelwerferdeckel, da hier beim Vorbild ummantelte Stahlseile und keine Ketten vorhanden sind. Das Ergänzen der Leitung zum Öffnen der Klappe an der Turmfront rundet das Bild ab. Nach ein paar Kleinigkeiten wie dem Durchbohren der Hebeösen an der Turmfrontpanzerung ist der Turm lackierfertig.

Das Rohr kann auf Wunsch beweglich eingebaut werden. Um zu verhindern, dass das Rohr später zu leicht nach unten wegkippt, hab ich als Gegengewicht eine Schraube eingeklebt. Da alle Luken geschlossen dargestellt wurden, ist das eine einfache, aber wirksame Methode,

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Insgesamt sind die Lion Roar-Teile sehr gut zu verarbeiten und bis auf die kleine Unregelmäßigkeit bei den Lafettenstützen auch sehr passgenau. Am unlackierten Modell sieht man noch ein letztes Mal die Ergänzungen.

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Einer der wenigen Fehler am Bausatz ist die Rauchabsaugvorrichtung am Rohr. Diese entspricht noch dem Zustand der ersten Baulose, die aber bald komplett ersetzt wurde. Ich habe mich daher, nach schon erfolgter Grundlackierung, doch noch entschlossen den Fehler zu korrigieren. Dazu wurde die Bausatzvariante mit den abgeschrägten Kanten komplett abgeschliffen und durch einen Neuaufbau aus mehreren dünnen Lagen Plastiksheet mit geraden Kanten ersetzt.

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Für die Lackierung wurden Tamiya-Acryllacke verwendet. Die Grundierung erfolgte mit einer Schicht nato black. Zum Farbton des Originals konnte ich leider keine genauen Angaben finden. Anhand von Vorbildfotos wurde mit einer 1:1-Mischung aus Tamiya XF-65 field grey und XF-69 nato green der ins Grau gehende Olivton meiner Meinung nach recht brauchbar getroffen. Die Kanten wurden mit abgedunkelter, die Flächen mit aufgehellter Grundfarbe akzentuiert. Mit hochverdünnten Farbtönen (blau, rot, gelb) wurden noch ein paar Filter gesetzt, dann erfolgte die Versiegelung mit Erdal Glänzer Bodenpflege als Klarlackersatz.

Die Bausatzdecals weisen ein paar Fehler auf. So fehlt z.B. den Nummernschildern und Nationalitätskennzeichen der weiße Hintergrund, der daher maskiert und aufgesprüht werden musste.

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Zudem sind die farbigen Markierungen an der Turmfront beim Original nicht wie bei den Decals rautenförmig, sondern rechteckig. Auch sie wurden daher mit der Airbrush aufgebracht.

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Nach einem Washing mit verschiedenen stark verdünnten Ölfarben wurde das Modell mit dem Mattlack von Model Master versiegelt. Dieser Lack ist wirklich sehr matt und damit vor allem bei moderneren Fahrzeugen eine gute Wahl; allerdings empfiehlt sich unbedingt die Verwendung der passenden Model Master-Verdünnung. Die Verschmutzung erfolgte mit verschiedenen Pastellkreiden aus dem Künstlerbedarf.

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Die Ketten zeigten einige wenige Sinkstellen, die mit Sekundenkleber und Backpulver als Füller problemlos zu beseitigen waren. Sie wurden mit Model Master Metalizer "Auspuff Metall" unter Zugabe von 20% Metalizer-Versiegelung grundlackiert. Die Kettenpolster wurden mit einem selbstgebauten Minifarbroller mit Tamiya Nato Black lackiert, eine schnelle und zeitsparende Methode. Dank an Axel Ackens für diesen Tipp! Blanke Metallteile wurden mit Revell 91 durch Trockenmalen erzeugt. Die Laufspuren der Rollen wurden vor dem Ölfarben-Washing und der Behandlung mit Pastellkreiden abgeklebt, so dass sie sich später als „saubere“ Spur hervorheben.

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Insgesamt wirkt das Modell bei flüchtigem Hinschauen zunächst etwas trist, zumal die Originale aufgrund der kurzen Einsatzdauer und des guten Pflegezustands keine nennenswerten Verschleißspuren aufweisen. Gerade darin liegt aber der Reiz, diese Eintönigkeit mit dezenter Verschmutzung und Farbnuancierung aufzubrechen.

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Der Bausatz läßt bereits aus der Schachtel gebaut ein sehr gutes und weitgehend stimmiges Modell entstehen. Der Bau hat viel Spaß gemacht und das Preis-/Leistungsverhältnis ist exzellent. Es ist wirklich beeindruckend, was hier für einen Straßenpreis von unter 14 Euro für den Bausatz und ca. 9 Euro für die Fotoätzteile geboten wird. Man kann so auch mit kleinem Budget seine Sammlung um ein Modell bereichern, das man nicht sehr häufig sieht.

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