Hasegawa´s B-26-Marauder

im Maßstab 1/72
von Peter Ohlenmacher

www.scale-world.de www.scale-world.de

The Widow Maker, The Flying Coffin, Martin Murderer - nur eine kleine Auswahl der Beinamen, die die B-26 Marauder durch eine ungewöhnlich hohe Zahl an Abstürzen zu Beginn ihrer Dienstzeit erhielt. Dabei war die von der Glenn C. Martin Company in Baltimore entwickelte Marauder ein technologischer Vorreiter, denn viele für spätere US-Bomber charakteristische Merkmale wurden bei ihr erstmals installiert: elektrisch angetriebener Abwehrturm, selbstdichtende Tanks, seitlich am Rumpf angebrachte MG-Packs - die Liste lässt sich noch fortsetzen.

Die US Army Air Force war von dieser Konstruktion so begeistert, dass sie vom Reißbrett weg 200 Maschinen bestellte ohne einen einzigen Prototyp bauen zu lassen - in der heutigen Zeit undenkbar.

Dass sich das Vertrauen in den Martin-Entwurf trotz der anfänglichen Probleme schließlich doch noch ausgezahlt hat bezeugt die Verlustrate bei Kampfeinsätzen, denn die lag mit unter 0,5 Prozent niedriger als die aller anderen von der US Army Air Force eingesetzten Muster.

www.scale-world.de

Das Modell der B-26 Marauder in 1:72 von Hasegawa ist eine komplette Neuentwicklung und hat nichts mit den alten Kits von Revell, Airfix und Co. gemein. Aus dem Bausatz lässt sich die B und C-Variante bauen, wobei die Decaloptionen zwei Olivgrüne B-26-B (Flak-Bait und Miss Manchester) und eine B-26C (Barracuda) in Naturmetall ermöglichen. Ich jedoch habe mich für die B-26B-50MA Victory Read entschieden - nicht zuletzt wegen der attraktiven Nose-Art. Ein entsprechender Decalbogen, der die Markierungen für 5 Maschinen der 584 Bomb Squadron umfasst, findet sich in Programm von Zotz-Decals.

www.scale-world.de

Der Kit ist von Hause aus sehr schön detailliert und so wurde gleich zu Anfang der Entschluss gefasst alles möglichst aus dem Kasten zu bauen. Den Anfang machte, wie so oft, dass Cockpit, welches zusammen mit dem Abteil des Bombenschützen und dem Fahrwerksschacht eine Einheit bildet. Ergänzt wurden lediglich die Gurte, die ich einem Set von Extratech entnommen habe und die Rückenpolster, die aus Milliput entstanden sind. Die Anbringung der Steuerhörner ist in der Bauanleitung falsch dargestellt, diese müssen um 180° gedreht werden.

Da das starre Front-MG, welches neben dem Bombenschützensitz angebaut werden soll, an vielen Frontmaschinen ausgebaut war und auf den mir vorliegenden Bildern der Victory Read nichts davon zu erkennen ist, habe ich auch beim Modell auf den Einbau verzichtet. Dafür wurde dem imaginären Bombenschützen eine aus Sheetstücken und Gußastabschnitten gebaute Visiereinrichtung spendiert, die dem Bausatz leider fehlt. Für das relativ einfach gehaltene Instrumentenbrett ist ein Decal vorgesehen, dass mit viel Weichmacher aufgebracht wurde. Mit einem hellgrauen Farbton trockengemalt ergibt das ein schönes Ergebnis, nur leider ist im eingebauten Zustand praktisch nichts mehr davon sichtbar.

www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de
www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de

Bei den Cockpitfarben bin ich von der Bauanleitung abgewichen und habe als Ergebnis umfangreicher Recherchen im Internet den Boden, die Steuereinheit und die Sitze in Schwarz, die Rückwand in Aluminium und die Seitenverkleidung in Olive Drab lackiert. Ob dies der Weisheit letzter Schluss ist vermag ich nicht zu sagen, da über die Innenraumfarben der Marauder keine wirklich eindeutigen Aussagen zu finden sind. Gleiches gilt für den absolut überzeugend detaillierten Bombenschacht, der nach einem Überzug mit Alclad 2 Duraluminium lediglich ein Washing mit Smoke von Tamiya erhielt, bevor das Ganze mit einer dünnen Schicht mattem Klarlack versiegelt wurde.

www.scale-world.de

Wer den Schacht geschlossen bauen möchte, sollte den Mittelträger um die Längsachse gedreht befestigen, sonst lässt sich das alternativ vorhandene Klappenteil nicht anbauen. Bevor der restliche Innenraum analog zum Bombenschacht lackiert wurde, fanden die restlichen Einbauten im hinteren Rumpfbereich ihren Platz. Für den Abwehrstand an der Rumpfunterseite bietet Hasegawa eine offene, mit im Rumpfinneren angebauten Klappen, und eine geschlossenen Variante an. Dabei wurde auch an entsprechende Alternativteile für die Lafettierung der MGs gedacht, so dass diese in Ruhe- oder Abwehrstellung angebracht werden können.

Wie sinnvoll Probepassungen sein können, zeigte sich mal wieder bei der Cockpithaube. Mein Exemplar war im vorderen Bereich etwas zu breit, was durch einen 0,25 Millimeter dicken Sheetstreifen ausgeglichen wurde, der zwischen die Rumpfhälften geklebt wurde. Genauso erging es dem lästigen Spalt zwischen Fahrwerksschacht und Rumpf, der eine umlaufende Sheetfüllung als Verblendung erhielt. Wie immer bei Bugradflugzeugen, darf man den Ballast natürlich nicht außer Acht lassen. Hasegawa schweigt sich jedoch leider zu diesem Thema aus und liefert stattdessen eine Heckstütze aus Klarsichtmaterial mit. 30-50 Gramm Buggewicht sollten es schon sein, die man am besten an der Cockpitrückwand und/oder auf dem Boden des Funkerabteils platziert. In meinem Fall besteht der Ballast aus 2 Stahlscheiben mit einem von Durchmesser 20 Millimeter und einer Dicke von 3 und 5 Millimeter.

www.scale-world.de

Nachdem die Rumpfhälften verklebt und die Nahtstellen gespachtelt und verschliffen wurden, habe ich mich der Restaurierung der in Mitleidenschaft gezogenen Gravuren gewidmet. Dabei kann man sich auch gleich mit einigen anderen Rumpfgravuren beschäftigen, die leider ein bisschen schwammig erscheinen oder nicht ganz durchgezogen sind. Dies trifft aber auch noch auf andere Bauteile zu, insbesondere betroffen sind die Fahrwerks- und Bombenschachtklappen, sowie die MG-Packs am Rumpf.

Da sich im Heckbereich, direkt über dem Kopf der Geschützbedienung, Fenster befinden, wurde das gesamte Höhenruderteil von Hasegawa als Klarsichtteil ausgeführt. Interessant aber nicht ganz unkritisch, da eventuelle Schwachstellen erst nach einem Lackauftrag entdeckt werden können. Leider sind hier die Gravuren etwas aus dem Ruder gelaufen, so liegen sie an der Trennstelle von Ober- und Unterseite teils einen guten Millimeter auseinander. Auch die Seitenruderhälften wollen nicht so richtig aneinander passen, erst das Entfernen der Passstifte bringt Abhilfe. Bevor beides am Heck angebaut werden kann, ist ein bisschen Nacharbeit an den Verbindungsstellen notwendig, so kommt man später um größere Spachtel- und Schleifarbeiten herum.

www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de

Weiter geht es mit den Motorgondeln und Tragflächen, die man auf keinen Fall getrennt behandeln sollte. Saubere Übergänge zwischen den Bauteilen erhält man hier nur durch Anpassarbeiten, vor allem an den Fügestellen der Tragflächenhälften. Aus der Form gelaufen ist der Heckkonus der Motorgondeln, der an der Ansatzstelle beidseitig ca. 0,5 Millimeter zu breit geraten ist und auch von den Konturen her nicht ganz überzeugen kann. Da ist schon mal ein Abend mit entspannender Schleifarbeit vorprogrammiert. Ähnlich verhält es sich auch beim vorderen Übergang der Gondeln auf den am Oberflügel befindlichen Gondelteil; feinfühliges Anpassen und Geduld bewahren vor dem großflächigen Einsatz von Spachtelmasse. Dafür wird man von Hasegawa mit zwei wirklich erstklassig detaillierten Fahrwerksschächten entschädigt, die in meinem Fall die gleiche Lackierung in Duraluminium wie der Bombenschacht erhielten.

Ein Fehler der sich nur schwer beheben lässt betrifft die Räder, denn bei allen ist das Profil in der Mitte verschoben. Die zweiteiligen Haupträder können durch Entfernen der Passstifte, dem Profil angepasstes Verkleben und anschließendem vorsichtigen Nachgravieren gerettet werden. Beim einteiligen Bugrad ist das leider nicht möglich, hier heißt es Profil komplett verspachteln und Neugravieren oder das Rad ersetzen.

www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de

Da sich jedoch glücklicherweise noch ein Satz Resinräder von True Details (72026) in meinem Besitz befand, kam dieser hier zum Einsatz. Allerdings musste der etwas bauchig ausgeführte Wulst an den abgeflachten Stellen mit der Feile entschärft werden; ein typisches kleines Manko der True Details-Räder.

www.scale-world.de

Kommen wir zur letzten größeren Hürde die uns von Hasegawa in Baustufe 10 in den Weg gestellt wird: der Verbindung von Rumpf und Tragfläche. Hier ist zwar an jeder Rumpfseite eine stabile Aufnahmeschiene vorhanden, trotzdem fehlt es an Führung und passendem Anschluss. Also wieder einmal schleifen und anpassen, dafür bleibt an dieser Stelle die Spachtelmasse in der Tube.

www.scale-world.de

Eigentlich bin ich kein großer Freund von Grundierungen, doch aufgrund des klaren Höhenleitwerks habe ich mich diesmal für einen vollflächigen Auftrag mit Alclad 2 Grundierung entschieden. Darauf kam eine Vorschattierung der Gravuren mit Gunship Grey, gefolgt vom Neutral Grey der Unterseitentarnung. Hierfür fiel meine Wahl auf Farben von Vallejo, wobei für das Neutral Grey eine Mischung aus zwei Teilen US Grey 047 und einem Teil US Grey Light 045 verwendet wurde. Anschließend wurden die Innenbereiche der einzelnen Beplankungsbleche mit dem weiter aufgehellten Grauton nachbehandelt.

Bevor es mit der Oberseitentarnung weitergehen konnte, habe ich als Kennzeichen der 584 Bomb Squadron - einen diagonalen weißen Streifen - auf das Seitenleitwerk auflackiert und abgeklebt. Nach dem Maskieren der grauen Unterseite erhielt die Oberseite ihr Tarnkleid in Olive Drab. Auch hier wurde wieder im Farbton variiert, wobei verschiedene Mischungsverhältnisse aus Olive Drab 043 und Light Grey Green 044 zum Einsatz kamen. Für die stoffbespannten, meist stark ausgeblichenen, Ruderflächen wurde die Oberseitenfarbe nochmals mit Weiß und Hellgrau abgetönt.

www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de www.scale-world.de

Die Zotz-Decals konnten mich leider nicht überzeugen. Zum einen relativ dick, zum anderen auch noch leicht verdruckt, zeigten sie außerdem noch die Neigung zum Silvern und das trotz glänzender Lackoberfläche. Nach der anschließenden Klarlackschicht habe ich die Gravuren mit verdünnten Ölfarben betont und die bei den B-26 stark ausgeprägten Lackabplatzer mit einem feinen Pinsel und abgetönter Aluminiumfarbe von Xtracolor dargestellt. Abgasfahnen, Öl- und Treibstoffschlieren wurden mit hochverdünnten Farben per Airbrush angedeutet. Als letzten Akt erhielt das Modell ein Finish aus einer Mischung aus Seidenmatt- und Mattlack von Humbrol.

www.scale-world.de www.scale-world.de

Die B-26 von Hasegawa ist im Grunde ein ausgezeichnetes Modell. Leider trüben einige Schwächen bei Passgenauigkeit und Gravuren das ansonsten durchwegs positive Gesamtbild. Bei einem Preis, der hierzulande bei ca. 35,- Euro liegt, kann man den Bausatz sicher nicht als Schnäppchen bezeichnen. Den Marauder-Fan wird das aber bestimmt nicht schrecken, immerhin bekommt er jetzt einen Bausatz der alle seine Konkurrenten weit in den Schatten stellt.



Valid XHTML 1.0 Transitional Valid CSS!