Hansa Brandenburg B.I von Legato

im Maßstab 1/72 von Wolfgang Henrich

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Im goldenen Zeitalter des Modellbaus, vor vielen, vielen Jahren, gab es viel zu bauen. Aber ein Bereich wurde immer vernachlässigt und das war der Zeitraum um den ersten Weltkrieg herum. In den letzten Jahren hat sich diese Situation etwas entspannt. Insbesondere dank Firmen wie Roden, MAC oder Eduard. Aber eine Sparte aus dieser Zeit wurde weiterhin vernachlässigt und das sind die Zweisitzer. Obwohl eine weitverbreitete Gattung seiner Zeit, ist die Modellauswahl sehr dürftig.

Umso erstaunter war ich, als ich vor längerem den Bausatz der Hansa Brandenburg B.I von Legato erblickte. Da kam also eine neue Firma direkt mit so einem erfreulichen Lückenfüller auf den Markt. Und dies dann auch gleich in mehreren Versionen. Keine Frage, das Modell musste ich haben. Denn wer weiß wie schnell es wieder vom Markt verschwindet. Also unbesehen gekauft.

Erst zu Hause habe ich mir den Bausatz dann angesehen und war positiv überrascht. Für einen Kleinserienhersteller war die Qualität der Bauteile doch ordentlich. Da haben andere, heute große und namenhafte Klein-Hersteller, doch deutlich schlechter angefangen. Fazit: ein erfreuliches Modell von ordentlicher Qualität und dazu noch ein seltenes seiner Art. Das macht Hoffnung auf mehr. Und wer weiß, vielleicht fängt ja das goldene Zeitalter auch jetzt erst an.

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Die Hansa Brandenburg B.I war ein einfacher unbewaffneter Aufklärer. Die Maschine war eine der frühen Konstruktionen von Ernst Heinkel und wurde u. A. bei den k.u.k. Fliegertruppen eingesetzt. Den ca. 335 gebauten Maschinen folgten noch ca. 60 in Lizenz von Aero (CSR) gebaute Maschinen nach dem ersten Weltkrieg.

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Natürlich hat der Bausatz produktionsbedingt die blichen Schwächen eines Short Run Kits. Aber doch in relativ geringem Mae. Die Konturen und Gravuren sind befriedigend bis gut wiedergegeben. Am Flügel fällt die Ausführung der Rippenstruktur positiv auf, welche deutlich erkennbar ist aber nicht bertrieben. Allerdings bedürfen die einteiligen Flügel einer Bearbeitung der Hinterkanten, welche etwas zu dick sind und einen leichten Versatz aufweisen. Das gilt im gleichen Mae für das Höhen und Seitenleitwerk. Etwas schlechter sieht es mit den Kleinteilen aus. Die meisten sind leider zu dick und unbrauchbar und jene, die man verwenden kann, bedürfen doch einiges an Nacharbeit. Erfreulicherweise sind wiederum ein paar Teile als Resin oder Fotoätzteile beigefügt, welche die Situation ein wenig entspannen. Unter anderem befinden sich ein Resinmotor und zwei Resinsitze im Bausatz. Außerdem sind das Instrumentenbrett, die Steuerräder, ein paar kleinere Streben, Handlochdeckel, Beschläge und Motorlüftungsschlitze Bestandteil eines kleinen Ätzteilbogens. Abgerundet wird der Bausatz durch einen Acetatfilm für die Instrumente und die Windschutzscheibe. Die beiliegenden Decals ermöglichen den Bau drei verschiedener Versionen. Zwei deutsche und eine polnische Maschine. Sie sind auf einen dünnen Trägerfilm ohne Versatz gedruckt. Der Bauplan ist klar gegliedert aber nicht immer ganz aufschlussreich wo denn genau welches Kleinteil hinkommt. Hier sollte man auf Bilder der Originale im Internet zurückgreifen, welche beim Bau eine gewisse Hilfe sind. Zuletzt ist noch zu bemerken dass neben den unbrauchbaren Kleinteilen ein paar zusätzliche Teile laut Bauplan selbst angefertigt werden müssen. Das sind unter anderem die Khlerleitungen und die Auspuffrohre.

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Wie bei fast allen Modellen beginnt man auch hier am Besten mit dem Cockpit. Der Rumpf der Hansa Brandenburg bestand aus einer Holzbeplankung welche auf einem Holzrippengestell aufgebracht war. Eine entsprechende Struktur wird im Cockpitbereich ausreichend dargestellt und muss nur noch durch entsprechende Bemalung etwas herausgearbeitet werden. Dazu wurde der gesamte innere Rumpf in sandbraun bemalt. Abschließend wurde braune Ölfarbe direkt aus der Tube aufgemalt. Diese ließ ich einige Minuten anziehen bevor ich sie wieder mit einem groben Pinsel abkratzte um so das Holzmuster zu erzeugen. Sitze und Steuerelemente sitzen ebenfalls auf einem Holzgestell, welches im Bausatz durch ein etwas gröberes Spritzgußteil dargestellt wird. Nach etwas schleifen hatte es aber eine manierliche Form und konnte entsprechend genutzt werden. Laut Bauanleitung sollten die Sitze direkt auf dieses Gestell geklebt werden. Dadurch wären sie aber viel zu tief in den Rumpf gekommen. Originalbilder zeigen auch, dass der Pilot mit seinem Sitz auf einem Tank saß und dieser dann erst auf das Tragegestellt montiert war. Also habe ich aus einem Plastikrest einen Tank nachgebaut und diesen entsprechend montiert. Da die Bilder nichts über den Sitz des Beobachters aussagten, habe ich kurzerhand dessen Sitz mit zwei Plastikstreifen erhöht. Die Resin-Sitze wurden in dunkelbraun bemalt und erhielten noch ein schwarzes lwashing Der gesamte innere Rumpf wurde in sandbraun bemalt. Abschließend wurde braune Ölfarbe direkt aus der Tube aufgemalt. Diese ließ ich einige Minuten anziehen bevor ich sie wieder mit einem groben Pinsel abkratzte um so das Holzmuster zu erzeugen.

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Nach Anfertigung neuer Steuerhörner, neuer Pedalerie und einem Gashebel wurde diese Teile mitsamt der Sitzkonstruktion, dem Instrumentenbrett und dem Motor in die linke Rumpfhälfte eingebaut. Zusätzlich baute ich noch eine typische Querverstrebung/Verspannung hinter den vorderen Sitz und verpasste den Sitzen noch Gurte von Eduard. Anschließend wurden beide Rumpfhälften miteinander verklebt.

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Der Rumpfboden war ein bisschen eingesunken, so dass hier gespachtelt werden musste. Ansonsten war die Passgenauigkeit gut. Anschließend wurde der Rumpf in der gleichen Methode wie die Innenseiten bemalt und dann für zwei Wochen zum trocknen an die Seite gelegt. Gute Zeit sich um Flügel und Leitwerk zu kümmern. Diese bekamen zunächst ein Preshading entlang der Rippenstruktur. Als nächstes erfolgte im Zentrum zwischen den jeweiligen Rippen eine Lackierung mit abgedunkeltem Gunze H-85 Sail und an den Flanken mit aufgehelltem H-85. Die Unterseite des Oberflügels erhielt zu dem noch ein dunkelgrau lackiertes eisernes Kreuz, welches später das durchschimmernde Kreuz der Oberseite simulieren sollte. Zum Schluss wurde alles mit normalen H-85 übernebelt, bis ein leichter Tiefen- und Verschmutzungseffekt übrig blieb. Besonders in diesem kleinen Maßstab achte ich darauf dass dieser Effekt nur noch ganz subtil und kaum wahrnehmbar ist, da alles andere oftmals zu bertrieben wirkt. Nach der Lackierung wurden sämtliche Löcher welche die spätere Verspannung aufnehmen sollten mit 0.25mm Bohrern gebohrt.

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Im nächsten Arbeitsschritt fertigte ich mir 26 Minispannösen aus Kupferlitze selbst an und kümmerte mich um die Flügel und Fahrwerksstreben. Da diese etwas grob ausgefallen sind, mussten sie zunächst dünner geschliffen werden und erhielten im Anschluss den blichen Holzanstrich. Die Endpunkte der Streben erhielten einem glänzend schwarzen Farbanstrich, da dort am Original ebensolche Metallbeschläge vorhanden waren. Einmal den Pinsel in der Hand bemalte ich auch direkt sämtliche weitere Kleinteile.

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Jetzt war es wieder an der Zeit sich um den Rumpf zu kümmern. Zunächst einmal erhielt der Rumpf eine seidenglänzende Klarlack-Schutzschicht. Danach erfolgte die Lackierung der Motorabdeckung mit unterschiedlichen Gunze-Polierfarben, welche fleckig auflackiert wurden um einen marmorierten Effekt zu erzielen. Danach wurde poliert und zum Schluss die Polierfarbe versiegelt. Die lederne Cockpitumrandung wurde noch ein wenig mit Mr. Surfacer 500 aufgefüttert und abschließend in dunklem Lederbraun lackiert. Da beim Original die unteren Flügel nicht direkt am Rumpf angeschlagen waren, verstiftete ich die Flügel, bohrte kleine Löcher in den Rumpf und klebte die Flügel mit geringem Abstand an den Rumpf. Danach erhielt der Rumpf seine Decals und seine Wartungsklappen in Form von Fotoätzteilen und die Flügel ihre selbstgefertigten Spannösen. Als nächstes waren die V-förmigen Stützstreben an der Reihe, welche ich mit Hilfe der im Modellboard vorgestellten Doppeldecker Helling in die korrekte Position brachte. Zum Schluss erhielt der Motor seine Anbauteile, welche aus einem Kühler und den dazu selbst angefertigten Leitungen sowie aus selbst gefertigten Auspuffen bestehen. Nachdem alles gut durchgetrocknet war, wurde der Oberflügel mit Plastikkleber und unter Zuhilfenahme der genannten Helling auf die mittleren Stützstreben geklebt und das ganze wiederum zwei Tage zum Trocknen zur Seite gestellt.

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Nun war es an der Zeit sich um die Verspannung und die Flügelstreben zu kümmern. Durch den bereits verklebten Oberflügel war es relativ einfach die Streben in die vorgesehenen Bohrungen einzuklipsen und zu verkleben. Man sollte aber auf jeden Fall die Streben vorher anpassen. Bei den Streben und der Verspannung habe ich von innen nach außen gearbeitet. Das heißt, es wurden erst die inneren Streben eingeklebt und verspannt und dann die äußeren. Anschließend wurden noch die Spannseile nach vorne zum Rumpf gezogen, das Fahrwerk verspannt und die Räder auf die Achsen geklebt.

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Zuletzt wurden das Höhen- und das Seitenruder sowie der Sporn angeklebt. Es folgte noch die Verstrebung des Leitwerks und die Anbringung der Steuerseile für Höhen- und Seitenruder.

Der letzte Akt war dann das Lackieren der Flügel mit seidenmattem und des Rumpfes mit seidenglänzendem Klarlack.

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