Academy`s Curtiss SB2C-4E "Helldiver"

im Maßstab 1/72 von Peter Ohlenmacher

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Die Curtiss SB2C Helldiver sollte bei der US-Navy die Nachfolge der Douglas SBD Dauntless antreten und diese in der Sturzkampfbomberrolle ersetzen. Doch trotz langer Entwicklungszeit und vielen Verbesserungen während der Serienerprobung waren die Einsatzmaschinen zur Zeit der Truppeneinführung der Helldiver im Jahre 1943 bei weitem nicht ohne Fehl und Tadel. So waren Fahrwerksbrüche und überschlage an der Tagesordnung und aufgrund struktureller Schwächen riss bei Decklandungen oftmals sogar das komplette Heckteil samt Leitwerk ab. Bei ihren Crews bekam die Helldiver folglich schnell solch eindeutige Spitznamen wie „Big Tailed Beast“ oder „Son of a Bitch, 2nd Class“.

Fakt ist: im Laufe ihrer Einsatzzeit gingen mehr Maschinen durch Unfälle als durch Feindeinwirkung verloren. Eines der größten Probleme war von Beginn an die mangelnde Richtungsstabilität der Maschine bei Sturzkampfangriffen, dem man dann 1944 aber ab der Version SB2C-4 mit der Einführung von gelochten Sturzflugbremsen in den Innenflügeln begegnete. Erst jetzt konnte die Helldiver ihr wahres Potenzial zeigen und die entscheidenden Vorteile gegenüber der Dauntless ausspielen: höhere Geschwindigkeit sowie größere Reichweite und Bombenlast. Im Laufe der Zeit gewöhnten sich Besatzung und Flugzeug dann letztlich doch noch aneinander, und die Helldivers konnten mehr Schiffsraum als alle anderen US- oder Alliierten-Maschinen im Pazifik versenken.

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Endlich da! Academy hat diesen Bausatz bereits vor 2 Jahren angekündigt, aber das lange Warten hat sich gelohnt. 90 Teile sind für den Bau des Modells vorgesehen und die machen einen durchweg guten Eindruck, der im Grunde nur durch einige Auswerfermarkierungen im sichtbaren Bereich getrübt wird. Highlights: Äußerst filigrane und saubere Darstellung aller Oberflächendetails, detaillierter Cockpitbereich und Bombenschacht, 5-teilige Kanzel, separate Vorflügel und nicht weniger als 4 Markierungsoptionen mit sämtlichen Wartungsstencils.

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Sogar das beim Original leicht schräg gestellte Seitenleitwerk hat Academy am Modell umgesetzt. Kein eigentlicher Nachteil, aber es wäre schön gewesen, wenn die Bombenschachtklappen auch als separate Teile vorliegen würden und nicht am Stück mit den Bombenschachtwänden gegossen.

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So bleibt einem, von einem Umbau einmal abgesehen, nur die Variante mit geöffnetem Bombenschacht. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Bauanleitung in Form von 3D-Computerdarstellungen, leider lässt sich die genaue Platzierung der Bauteile nicht immer einwandfrei erkennen. Aber alles in allem hat Academy einen wirklich tollen Bausatz auf die Beine gestellt.

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beginnt wie fast immer mit dem Cockpit. Da dieser Bereich schon von Academy aus gut detailliert ist und man davon im eingebauten Zustand ohnehin nicht mehr allzu viel sehen kann, habe ich nur ein paar prägnante Details ergänzt, darunter photogeätzte Gurte für Piloten- und Bordschützensitz aus der Restekiste. Im hinteren Bereich des Bordschützenplatzes, dem sogenannten „Turtle Deck“, wurden die Innenstrukturen des Rumpfes mittels aufgeklebter Sheet-Streifen angedeutet.

Bilder/G_PO_HelldiverBauphase1_150.jpg Bilder/G_PO_HelldiverBauphase2_150.jpg Bilder/G_PO_HelldiverBauphase3_150.jpg Bilder/G_PO_HelldiverBauphase4_150.jpg Bilder/G_PO_HelldiverBauphase5_150.jpg Bilder/G_PO_HelldiverBauphase6_150.jpg Bilder/G_PO_HelldiverBauphase10_150.jpg

Die im Bordschützenlafettenring angedeuteten Erleichterungslöcher luden förmlich zum Aufbohren ein, beim Versuch ist mir das Bauteil natürlich prompt zerbrochen und wurde dann kurzerhand neu angefertigt. Auch die MGs des Bordschützen konnten mich nicht so ganz überzeugen und sind aus Teilen von Aeroclub, Aires und ein bisschen Plastik-Sheet neu entstanden.

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Wo wir gerade bei zerbrochenen Teilen sind: ich möchte aufgrund leidvoller Erfahrungen noch einen gut gemeinten Rat einschieben. Einige Bauteile sind so filigran und dünnwandig gefertigt, dass man sie beim heraustrennen mit der Bastelschere zwangsläufig zerbricht. Hier sollte man sehr vorsichtig zu Werke gehen und die Teile mit einer feinen Modellbausäge vom Gießast trennen.

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Die gelochten Landeklappen und Sturzflugbremsen, sind von Academy sehr schön in Form von versenkten Details und Gravuren umgesetzt worden. Da der Sword-Bausatz der Helldiver schon seit ein paar Jahren bei mir vor sich hin schlummerte, konnte ich natürlich nicht widerstehen und habe versucht die diesem Kit beiliegenden fotogeätzten Sturzflugbremsen an die Academy-Teile anzupassen. Bei diesem Versuch ist es dann auch geblieben, da die Sword-Teile einfach zu groß sind und die entsprechende Schneidelinie genau durch eine Lochreihe führt.

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Die Montage der Rumpfhälften und Tragflächen geht ohne Komplikationen vonstatten, und wenn man sorgfältig arbeitet, muss lediglich am vorderen Tragflächen-Rumpfübergang und an ein paar Stellen der Rumpfnaht etwas Spachtelmasse verwendet werden. Die Bombenschachtklappen weisen an ihren Innenseiten leider einige unschöne Auswerfermarkierungen auf; diese können jedoch problemlos mit Gunze Mr.Surfacer 500 gefüllt und verschliffen werden. Laut Anleitung sollen auch sie in diesem Bauabschnitt montiert werden, ich habe die Teile aber erst einmal beiseite gelegt, denn sie hätten beim Handling des Modells und bei der Lackierung nur gestört. In den Fahrwerksschächten hat Academy eine fast vorbildgetreue Rippenstruktur nachgebildet. Leider fehlen die Durchbrüche in den Rippen, dadurch wird eine nachträgliche Detaillierung mit Leitungen und Kabeln erheblich erschwert.

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Die Klarsichtteile sind im Prinzip sehr schön ausgeführt, geringe Wandstärken und filigrane Kanzelstreben. Allerdings befinden sich auf deren Oberfläche feinste Kratzer, deshalb habe ich ihnen ein Bad in Future spendiert, was eine sichtbare Verbesserung brachte. Bei der vorderen Schiebehaube sind die Fensterflächen zu weit nach unten gezogen, so dass der verbleibende horizontale Steg an der Unterseite zu schmal ausgeführt ist. Auch für das Visier des Piloten ist ein Klarsichtteil vorgesehen, leider ist es mir bei der Montage in das Innere des Rumpfes gefallen und blieb dort irgendwo kleben. So war wieder einmal Eigenbau angesagt.

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Laut der mir vorliegenden Literatur waren die von Academy angebotenen Markierungsvarianten 2 und 4 keine SB2C-4 mit Yagi-Antennen unter beiden Tragflächen, sondern SB2C-4E mit einem APS-4 Radar-Pod an der rechten Auenlastenstation. Da dieser dem Bausatz nicht beiliegt, habe ich mir ein entsprechendes Kunststoffteil drehen lassen und den Außenlastenträger mit Plastik-Sheet modifiziert. Die Haltebänder des Radar-Pod entstanden einer Alufolienverpackung.

Bilder/G_PO_Helldiver_Pod_640.jpg

Die letzte Änderung betrifft die Auspuffrohre, sie sind einfach zu lang und stehen in einem zu großen Winkel zum Rumpf. Sie wurden um ca. 1mm gekürzt und der Anstellwinkel dabei gleichzeitig etwas verkleinert. Auch die Öffnung der Auspuffverkleidung wurde mit dem Skalpell ein wenig in der Längsrichtung erweitert, erst damit lässt sich der geänderte Anstellwinkel am Modell problemlos übernehmen.

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für mich stand von Anfang an fest: Es sollte die schwarze 47 in der weiß-grauen ASW-Tarnung werden (ASW = Anti Submarine Warfare / U-Boot-Jagd). Erstens hat mich dieses Schema schon immer gereizt und zweitens verleiht es der doch etwas behäbigen Erscheinung der Helldiver eine gewisse Eleganz. Um das Modell während der Lackierung besser handhaben zu können, wurden der Motor und die Cowling vorerst noch nicht angebaut. An der Stirnseite des Rumpfes habe ich ein Loch gebohrt und einen Haltegriff aus Draht eingeklebt, der sich nach beendeter Lackierung wieder leicht entfernen ließ.

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Bleibt noch der ungeliebte Part im Modellbau, das Abkleben der Kanzeln. Und da bei der Helldiver so einiges an Fenstern zusammenkommt, wird das auch folglich zur abendfüllenden Aufgabe. Die Fahrwerksschächte und der Bombenschacht wurden nur an den inneren Rändern mit Tamiyaband abgeklebt und nachdem die Öffnungen selbst mit Schaumstoffstücken verschlossen wurden, konnte es endlich ans Lackieren gehen.

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Um der weißen Farbe etwas mehr Tiefe zu geben, habe ich zuerst alle Gravuren mit einem dunklen Grauton vorschattiert. Anschließend wurde die weiße Farbe (Model Master 1768, Insignia White) etwas stärker als normal verdünnt und in mehreren Durchgängen dünn auflackiert. Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, heißt es wieder abdecken. Beim Abkleben des Tarnschemas fanden diesmal zurechtgeschnittene Papiermasken Verwendung, die nicht ganz auf der Modelloberfläche aufliegen und so einen weichen Farbübergang ermöglichen sollen. Die Übergänge waren mir letztlich aber etwas zu „glatt“ und wurden zum Schluss noch einmal freihändig nachgearbeitet.

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Die Oberseite erhielt zuerst einen kompletten Überzug mit grauer Farbe (Model Master 1740, Dark Dull Grey), anschließend bekamen die Ränder der einzelnen Beplankungsbleche eine Betonung mit leicht abgedunkeltem und die Zentren mit leicht aufgehelltem Grundfarbton.

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Als Untergrund für die Decals erhält das Modell einen glänzenden Überzug mittels Future. Leider sind Academy die Decals nicht so gut gelungen wie es auf den ersten Blick erscheint. Das Wei der Hoheitszeichen deckt nicht hundertprozentig und die teils zusammenhängend gedruckten Wartungshinweise und Positionsleuchten passen nicht genau an die vorgesehenen Stellen auf den Tragflächen - da hilft nur ausschneiden und einzeln aufbringen. Trotz Weichmachergebrauchs legten sie sich nicht einwandfrei in die Gravuren, so dass hier mit einem angespitzten Zahnstocher nachgeholfen werden musste. Nach der anschließenden Versiegelung, wieder mit Future, wurden die Gravuren mit verdünnter Ölfarbe ausgelegt.

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Dabei wurde für die weißen Flächen eine Mischung aus Umbra Natur und Warmgrau verwendet und für die grauen Flächen nur Umbra Natur. Da die Sturzflugbremsen beim Original an den Innenseiten Rot lackiert sind und dies auch von außen gut sichtbar ist, wollte ich beim Modell zumindest den Anschein dieses Innenlebens erwecken. Dazu wurde dieser Bereich mit verdünnter roter Acrylfarbe ausgelegt und der Überschuss nach kurzer Zeit mit einem Wattestäbchen wieder entfernt. Nach ausreichender Trocknung wird die Oberfläche mit einer Mischung aus mattem und seidenmattem Klarlack überzogen. Den Abschluss bilden dann noch leichte Alterungsmaßnahmen mit Ölfarbe und Pastellkreiden.

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Bei der Montage der Fahrwerksbeine sollte man sorgfältig auf deren exakte Ausrichtung achten. Zwar hat Academy hier Länglöcher vorgesehen, aber leider waren die entsprechenden Zapfen an den Fahrwerksbeinen ein bisschen verdreht - es geht eben nichts über vorherige Trockenanpassungen. Auch bei der hinteren Fahrwerksstrebe ist Improvisationstalent gefragt. Nach Anleitung eingebaut, berührt gerade einmal der untere Teil der Federbeinschere das Fahrwerksbein. Hier muss man ein bisschen ausprobieren; wichtig ist, dass von der Seite gesehen die Fahrwerksbeine im richtigen 90-Winkel zu Rumpf und Tragfläche stehen.

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Da man durch die geöffneten Kühlerklappen einen recht guten Einblick auf den undetaillierten Raum zwischen Motor und Rumpf hat, wurde dieser Bereich vor dem Anbringen des Motors mit mattschwarzer Farbe gestrichen. Die restlichen Bausatzteile, wie Bombenträger, Kanzeln, Propeller, Bordschützensitz und Antennenmast, lassen sich alle problemlos am Modell anbringen. Zu guter Letzt wurden den MGs noch Munitionsgurte von Aires spendiert und der Antennendraht aus transparentem Nähgarn angebracht.

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Mit der Helldiver hat Academy ein Bravurstück abgeliefert und damit kann ein weiteres Modell von der Liste der unerfüllten Wunschmodelle gestrichen werden. Aufgrund der Filigranität einiger Bauteile nicht unbedingt für den absoluten Anfänger zu empfehlen, bekommt der Modellbauer hier jede Menge Bastelspaß und das, mit ca. 15 Euro, auch in einem tollen Preis-Leistungsverhältnis. Bleibt nur noch die Frage: was mache ich jetzt mit dem Sword-Bausatz?

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