Tamiyas Republic P-47M-1-RE

im Maßstab 1/48 von Erik Alles

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Zum Vorbild

Die Wurzeln der P-47M gehen zurück bis ins Jahr 1942 als Republic der USAAF den Entwurf einer leichteren P-47 mit dem bis zu 2.800 PS leistenden Pratt & Whitney R-2800-57C unterbreitete.

Im Frühjahr 1943 erteilte die Air Force den Entwicklungsauftrag, und in Gestalt der XP-47J hob der Prototyp im November des selben Jahres zu seinem Erstflug ab. Die „J“ zeigte überragende Flugleistungen in Punkto Steigzeit und Höchstgeschwindigkeit; so wurden während der Erprobung Geschwindigkeiten von über 750 Stundenkilometern erflogen, und somit war die XP-47J die schnellste aller Thunderbolts. Dennoch sollte dieXP-47J nicht in Serie gehen, da man befürchtete, dass die Serienfertigung der C- und D-Modelle durch die notwendigen strukturellen Änderungen beeinträchtigt werden könnte.

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Ohne offiziellen Auftrag verfolgte Republic in Eigenregie weiterhin das Ziel, mit möglichst minimalem Aufwand das Maximum an Leistung aus der bewährten „Jug“ herauszukitzeln.

Man verpflanzte also den R-2800-57 in die Serienzelle einer P-47C und schuf so unter der Bezeichnung XP-47M eine Maschine, die sich mit ihren 730 „Sachen“ als beinahe so leistungsfähig wie die verworfene „J“ erwies.

Als 1944 eine neue Plage in Gestalt der deutschen V1 am Himmel über England erschien, bat die RAF ihre Verbündeten um Unterstützung bei der Bekämpfung dieser Bedrohung. Zeitgleich wurde die Führung der Air Force auf diesen Typ aufmerksam und orderte drei Vorserienmaschinen unter der Bezeichnung YP-47M. Aus der laufenden Produktion wurden drei P-47D-27-RE abgestellt und auf den neuen Antrieb umgerüstet, woran sich auf dieser Grundlage eine endgültige Serie als P-47M-1-RE mit 130 Exemplaren anschloss, die ausschließlich an die drei Staffeln der 56th Fighter Group in Großbritannien abgegeben wurden.

Es darf allerdings bezweifelt werden, dass die Entwicklung einzig und allein mit der Absicht erfolgte, deutsche Vergeltungswaffen über England abzufangen. Diesen Job hätte auch eine „normale“ P-47D, Griffon-Spitfire oder eine Gloster Meteor durchaus zu leisten vermocht. Bereits zum Zeitpunkt der Indienststellung der „M“ auf dem europäischen Kriegsschauplatz im Januar 1945 stellte die V1 für Großbritannien keine ernsthafte Bedrohung mehr dar.

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Zu Beginn ihrer späten (und kurzen) Karriere litt die „M“ unter gravierenden Problemen mit der elektrischen Motorsteuerung, wodurch die Masse dieser Flugzeuge an dem Boden gefesselt blieb, was der P-47M den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Hangar Queen“ einbrachte. Es sollte noch bis zum März des Jahres dauern, bis die Kinderkrankheiten überwunden waren; danach erwies sich die „M“ als furchterregender Gegner, der es auch ohne weiteres mit der sagenumwobenen Messerschmitt Me 262 aufnehmen konnte. Am 25. März 1945 fielen die ersten beiden Schwalben der 56th FG zum Opfer.

Zum Modell

Tamiyas Thunderbolt bedarf eigentlich nur noch weniger Worte: hervorragende Detaillierung und eine tadellose Passgenauigkeit; beides zusammen garantiert einen zugigen, und stressfreien Zusammenbau des Modells. Aus dem Stand lässt sich ohne weiteres an Zubehör mit ruhigem Gewissen ein sehr schönes Exemplar dieser „Spezies“ aufs Fahrwerk stellen. Einzige Ergänzung meinerseits: geätztes Gurtzeug von Eduard

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Aus den von Tamiya angebotenen Markierungsvarianten des Kits wählte ich die Darstellung der Maschine von Major George Bostwick der 63rd Fighter Squadron. Insbesondere die ungewöhnliche Farbgebung sowie die Ausführung/Aufteilung der Tarnung an sich übten vom Fleck weg eine hohe Anziehungskraft auf mich aus.

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Wie bei mir blich wurde das komplette Modell im ersten Schritt grundiert. Das Mittel meiner Wahl ist in solchen Fällen entweder Gunzes Mr.Surfacer 1200 oder die graue Grundierung von Alclad (Filler/Primer). Da es ab und zu vorkommt, dass sich an gegenüberliegenden Flächen ein leicht rauer Sprühnebel niederschlägt, unterziehe ich die Flächen einem Nassschliff mit 3200er MicroMesh, wobei anschließend die Oberfläche mit Seifenlauge von den angefallenen Schleifrückständen befreit wird.

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Der nächste Arbeitsgang widmete sich dem Vorschattieren aller Blechstöße und Gravuren mit stark verdünntem schwarzem Acryllack. In Teilen hellte ich einzelne von Sten begrenzte Innenflächen mit einem gebrochenen Wei auf. Nach Fertigstellung des „Pre-Shadings“ war der Rumpf bereit für die eigentliche Lackierung. Da ich leider keine konkreten Farbangaben für diese Tarnlackierung hatte, wurden die entsprechenden Farbtöne von mir nach „Augenmaß“ selbst mit Tamiya Acryls angemischt.

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Nach dem Aufbringen der hellblauen Basisfarbe erfolgte teils mittels schwebender Masken teils freihändig die dunklere Tarnfarbe, die in manchen Quellen als „Dark Mediterranean Blue“ bezeichnet wird. Einzelne Bereiche wurden nachträglich noch ein wenig aufgehellt, um mehr Nuancen ins Farbkleid zu bringen.

Als vorbereitende Maßnahme für das Aufbringen der Decals bekam die Lackierung eine dünne Versiegelung aus hochglänzendem Klarlack. Die beiliegenden Abziehbilder ließen sich zwar anstandslos mit ein wenig Weichmacher verarbeiten. Sie sind zwar sauber im Register gedruckt, dafür aber nach meinem Empfinden insgesamt zu dick geraten. Eine weitere Schicht Klarlack diente im Anschluss zur Versiegelung der Decals selbst sowie als Basis für das nachfolgende Washing mit Ölfarben. Den Abschluss der Lackierung an sich bildete eine Lage Polly Scale Mattlack, der zu fast 50% mit Tamiya Verdünnung gestreckt wurde plus einen Tropfen Future, um das Finish nicht ZU stumpf erscheinen zu lassen.

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Auch aus der Box heraus lässt sich mit den Thunderbolts von Tamiya guten Gewissens ein ansprechendes Modell des historischen Vorbildes bauen, wobei man natürlich – je nach persönlicher Vorliebe – das Modell mit Zurüstsätzen einschlägiger Hersteller noch weiter aufwerten kann, aber nicht muss! für mich war es auf jeden Fall Modellbau der entspannenderen Sorte.

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