Foto-Tutorial, Teil 1

Der Arbeitsplatz des Modell-Fotografen

 von Michael Reichl

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In vielen Modellbau-Foren wird heutzutage oft über die Qualität der eingestellten Fotos diskutiert. Natürlich ist ein Mindestmaß an Qualität wichtig. Wie soll der interessierte Leser bei unscharfen oder zu dunklen Bildern die Qualität des Modells beurteilen. So entstand die Idee einen Beitrag zu dem Thema zu schreiben.

Soll man als leidenschaftlicher Modellbauer auch noch ein riesiges Budget für Kameraausrüstung aufbringen? Nein. An dieser Stelle sollen auch keine Fotografen ausgebildet werden. Es soll lediglich eine kleine Hilfestellung sein. Meine Erfahrungen die ich hier einbringen möchte, beruhen sowohl auf meine Anfangszeiten als Hobbyfotograf, sowie auf meine Tätigkeit als selbstständiger Fotodesigner.

Ich will keine Anleitung geben im Stil "Schritt1, Schritt2,…" oder "Mach das genau so".
Auch Kaufberatung will ich hier weniger geben. Ich möchte hier viel mehr zeigen, wie sich das Ergebnis ändert, wenn man nur kleine Dinge beachtet, anders macht oder doch mal etwas Geld sinnvoll investiert. Anhand von bewusst "falsch" aufgenommenen Bildern sollen sich Unterschiede zeigen.

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Heute möchte ich ein Bild eines Fertigmodells anfertigen, welches ich extra gewählt habe, damit meine modellbautechnischen Fähigkeiten außen vor bleiben. Auf Bildbearbeitung oder Schleppen von Technik hab ich dieses Mal keine Lust. Manuelle Einstellungen? Nee nee, lassen wir mal die Automatik machen. Der Himmel ist bedeckt, also perfektes Licht um die Sonne als Beleuchtung zu nutzen. Draußen ist es mir aber zu kalt, um dort Bilder zu machen. Da mach ich mich doch lieber am Esstisch breit. Das Fenster ist an der gegenüberliegenden Wand, dadurch hab ich kein direktes Licht was übertriebene Schatten werfen kann. Mein nicht gerade aufwendiger Aufbau. Den Hintergrund bildet ein Fotokarton, den man in jeder Schreibwarenabteilung für ca. 3€ erhält.

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Modell drauf. Und los geht’s. Blitz brauch ich nicht, ich will ja das natürliche Licht nutzen. Ich versuch die Kamera während der Aufnahme still zuhalten.

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Mmhhh, gar nicht mal schlecht. Aber ganz schön unscharf. Noch ruhiger halten, krieg ich so nicht hin. Stativ hab ich gerade im Keller, und ich wollte doch nicht schleppen.

Also doch blitzen. Blitz ausgeklappt und knips.

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Auwei, da sah die Wackelaufnahme noch besser aus. Da geht’s anscheinend doch nur mit „Profigeräten“. Dann greifen wir doch mal in die Technikabteilung, um den Aufsteckblitz rauszuholen. Hat mich bei eBay schließlich 80 Taler gekostet. Den brauch ich immer für Familienfeiern, damit keine roten Augen entstehen.

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Drauf damit und knips.

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Und besser? Ich glaub nicht.verwirrt 

Jetzt ist guter Rat teuer. Im Fotozubehör gibt es Aufsteckdiffuser für Blitzgeräte, die versprechen das Licht weicher zu machen. Kosten 30-70 €.

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Mmhhh, extra für 1 Bild so etwas bestellen. Brauche jedoch nicht drüber nachdenken, gibt’s für mein Blitzgerät eh nicht. Als Modellbauer kann man doch auch was basteln. Ich hab aber keine Zeit. Taschentuch und Gummi klingt doch auch interessant.

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Das Tempo als großen Sack geformt und festgeschnürt sieht dann so aus.

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Etwas dunkler, aber nicht mehr so hart. Könnte es am PC noch aufhellen. Das mach ich aber nicht a) sieht es doch interessant aus b) würde es gegen die Spielregeln dieses Kapitels verstoßen. Wenn Taschentuchtechnik so gut am Aufsteckblitz funktioniert. Was ist dann mit dem internen Blitz. Das Befestigen ist zwar umständlicher, aber es geht.

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Ähnliches Resultat. Aber entspricht leider nicht der Vorstellung, die ich anfangs anstrebte. Das schön weiche Sonnenlicht sollte das Ziel sein. Dieses verdankt unter anderen Reflexionen an Wänden seine Weichheit. Meinen Aufsteckblitz kann ich schwenken. Den Blitz mal in Richtung Zimmerdecke und abwarten was passiert.

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Nicht jeder hat das Glück eine Kamera zu besitzen, zu dem ein passender Blitz angeboten wird. Daher hab ich mal im Keller gekramt und alte Erinnerungsstücke gefunden. Unter anderem einen Blitz mit Slave-Funktion, was für so ziemlich alle Digitalkameras geeignet ist. Einzige Voraussetzung: Kamera muss einen eingebauten Blitz haben.

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Dieser Blitz löst aus wenn der kamerainterne Blitz auslöst. Vorsicht: Gefahr Doppelschatten. Mal ein Testbild.

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Sieht auch nicht anders aus als mit eingebauten Blitz. Schwenkbar ist der auch nicht, um indirekt über die Decke zu Blitzen. Was soll das also!? Der Vorteil ist, dass man nicht gezwungen ist ihn an der Kamera zu befestigen. Zum Beispiel kann es doch mal interessant sein von der Seite zu blitzen.

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Natürlich kann man ihn auch einfach auf den Tisch legen, und so die Decke anblitzen. Um die Gefahr des Doppelschattens zu vermindern kann man den internen Blitz mit Papier abdecken oder Papierklebeband abkleben. Hier mal ein Bild eines alten Blitzgerätes, welches ich mal zum Auslösen benutzt hatte.

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Summe der technischen Ausrüstung: 300€
Digicam: UVP 499€ Nach Produktionsende der Straßenpreis ca. 250€ Bei eBay erhalten für 220€
Blitzgerät: UVP 149€ Nach Produktionsende der Straßenpreis ca. 110€ Bei eBay erhalten für 80€

Das sind in meinen Augen aber Ausgaben die sich auch außerhalb des Modellbaus rechnen. Eine Kamera ist nie verkehrt und ein Aufsteckblitz bei Feierlichkeiten & Co immer von Vorteil.

Ich habe mich mal in meinen Büro/Bastelzimmer umgeschaut was man noch so zum Fotografieren benutzen kann. Eigentlich ist ja alles was irgendwie Licht macht geeignet. Sogar Taschenlampen.

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Als erstes hab ich mir mal die Arbeitsleuchte vorgenommen, die auch viele Modellbauer zuhause haben. Die Leistung der Röhren ist verdammt niedrig, was ein Freihandfoto fast unmöglich macht. Beim Blick durch den Sucher und mit an den Körper gepressten Armen wird die Kamera gleich viel ruhiger. Oder Ellenbogen auf Tisch oder Stuhllehne abstützen.

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Preise:
Arbeitsleuchte: 50€ (bei Pearl)

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Mmmhhhh was geht noch preiswerter und hat eigentlich jeder? Meine kleine Halogenschreibtischlampe mit satten 20Watt ist doch mal eine Herausforderung.

Wer sich mal Profizubehör z.B. eine Softbox oder Lichtzelt angesehen hat, wird festgestellt haben, dass vor dem Licht ein weißer Stoff gespannt ist um das Licht weicher zu machen. Stoff kommt bei meiner Funzel nicht in Frage. Ein Blatt Papier? Noch zu dick. Die Lösung: Transparentpapier oder weißes Butterbrotpapier.

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Links: Bei direkter Beleuchtung des Modells sind die Schatten erwartungsgemäß viel zu scharf. Rechts: Mit Transparentpapier schon viel besser. Der Schatten des Flügels ist nicht mehr messerscharf.

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Spätestens jetzt brauch man aber ein stabiles Stativ. Eine Hand am Auslöser, eine Hand hält das Papier in etwas größeren Abstand vor die Lampe. Wäre zu empfehlen das Transparentpapier auf einen Rahmen zu spannen z.B. ein alter Bilderrahmen. Oder man baut sich ein Lichtzelt aus Butterbrotpapier. großes Grinsen

Oft hört man die Frage „Wie viele Lampen brauche ich denn?“ Ich stelle einfach mal folgende Frage in den Raum. Wie viele Sonnen haben wir auf der Erde zur Beleuchtung? pffft
Nun werden manche sagen „Mein Fotograf an der Ecke hat doch auch so viele Lampen.“ Erstmal mit einem Licht richtig umgehen können. Und das ist das Hauptlicht. Alle Anderen sind, sagen wir mal Special Effect.

So ein Beispiel folgt jetzt. Dunkles Modell, dunkler Hintergrund. Das Modell droht rechts abzusaufen. Also sind Special Effects notwendig.

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Bloß nicht noch eine Schreibtischlampe von der anderen Seite. Ergebnis wären 2 Schatten. Natürlicher wirkt eine dezente Aufhellung wie im rechten Bild. Wer auf die Frontscheibe achtet, erkennt den Trick sofort. Ein weißes Blatt Papier wirft genug Licht zurück um die Ecke aufzuhellen. Alufolie oder diese silbernen Frostschutzmatten für Autoscheiben würden dort noch stärker aufhellen.
Preise:
Stativ: bei EBay ab 16.99€
Schreibtischlampe: 5€
Papier: paar Cent

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Die meisten kennen diese Baustrahler-Sets mit Stativ und 500W Leistung für etwa 30€. Weiterhin gibt’s einzelne Strahler mit 250W (oder 300W) und sogar als 1000er Version. Durch die geballte Halogenleistung entwickeln sie eine Wahnsinns Wärme. Also Vorsicht bei der Arbeit und nicht zu dicht ans Modell, nicht das da mal ne Antenne angeschmolzen wird.

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Um sich beim Verstellen nicht die Finger zu verbrennen, sollte so ein Griff dran sein.

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Was bei meinen Strahler störte, waren diese Nasen.

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Sie verhinderten, dass man den Strahler nach unten kippen kann. Die Sonne kommt nun mal von oben. Bügel abgeschraubt, umgedreht wieder ran. Passt, Nase stört nicht mehr, ich kann nach oben und unten schwenken.

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So sieht das einsatzbereit aus. Und gleich mal einen Schnappschuss.

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Das Licht ist relativ hart. Man erkennt deutlich den Schlagschatten den das Heck wirft. Wir könnten es mit indirekter Beleuchtung über die Decke versuchen, was das Licht aber extrem abschwächt.

Schauen wir doch mal was ein Profi so hat, was man nachbauen könnte.

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Stativ: erledigt
Lampe: erledigt
Durchlichtschirm für weiches Licht: erledigen wir jetzt

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Als erstes besorgte ich mir einen weißen Regenschirm. Gar nicht so einfach so was zu finden. Hatte aber in einem Schuhladen Glück. Der Griff wurde abgesägt. Dann hab ich mit einem Winkel und einer Schlauchschelle den Schirm oben befestigt. Befestigt den Schirm bitte anders, am besten seitlich am Strahler. Mein Aufbau ist nur zu Vorführungszwecke und für einen Dauereinsatz nicht ausgelegt.

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Die seitlichen Schrauben, welche die Verbindung zwischen Strahlergehäuse und Haltebügel herstellen, müssten durch Flügelmuttern ersetzt werden, um das Verstellen des vertikalen Winkels zu vereinfachen. Waren bei meinem damaligen Licht bereits dran. Bei Kauf also drauf achten.

Hier ein einfacher Aufbau.

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Schon viel weicher. Die Ergebnisse der verschiedenen Beleuchtung sehen an so einem glatten Modell natürlich nicht so extrem unterschiedlich aus. Aber glaubt mir, bei einem Gesicht, wo doch schon Fältchen zu sehen sind, macht das einen riesigen Unterschied.

Kosten für dieses Projekt:
Lampe incl. Stativ ca. 30€
Regenschirm ca. 5€
plus Kleinteile

Jetzt könnten wir uns noch den silberbeschichten Schirm bauen. Kein großes Ding. Die Innenseite eines Schirms mit Alufolie verkleidet. Fertig.

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Der Fotokarton aus der Schreibwarenabteilung als Hintergrund ist eine tolle Sache. Verschiedene Farben, preiswert, gut zu verstauen. Jedoch stoßen sie schnell an ihre physikalischen Grenzen. Man könnte sicherlich ein Bettlacken oder eine Tischdecke verwenden. Mich stört dabei aber die Oberflächenstruktur.

Besser sehen Papierrollen aus. Hama bietet verschiedene Farben an in 2 Breiten (1,35m, 2,75m)
Preise ca. 49€/79€.

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Es gibt spezielle Rollenhalterungssysteme, welche sich die Hersteller gut bezahlen lassen. Dabei geht es auch einfacher.
Zwei kleine Haken aus dem Baumarkt.

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Ein Rundholz mit Ketten an den Enden, ebenfalls Baumarkt.

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So sieht das dann aufgehängt aus.

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Wer keine Löcher Bohren will, findet im Baumarkt diese „Spanner“, welche man zwischen Fußboden und Decke spannen kann. Vorsicht mit der Deckentäfelung!

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So und jetzt mal eine Gruppenaufnahme meiner kleinen Assistenten, die mir hier geholfen haben.

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An der Stelle könnte ich fast behaupten es wären alle preiswerten Mittel erwähnt, welche Licht ins Spiel bringen. Es gibt aber so viele Dinge die man einsetzen kann z.B. Taschenlampen, Diaprojektoren. Auch Fotolampen (500W) mit E27-Gewinde sind erhältlich, und...und...und...
Das überlass ich dann mal eurer Fantasie.

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Farbtheorie!? In Anbetracht dass dies eine Hilfestellung für Modellbauer ist, brauche ich nicht wirklich tief in das Thema abtauchen. Ist zwar schön zu wissen, dass Salat vor roten Hintergrund frischer wirkt, aber für mich ist das nicht schön und Appetit auf Salat bekomme ich auch nicht. großes Grinsen

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Komplementärfarbe, der harmonische Zweiklang. (Eine Idee von Goethe. An die sich die Maler seiner Zeit nicht unbedingt halten wollten. Die werden schon ihre guten Gründe gehabt werden.)

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Mal sehen was dem Grün gegenüber liegt. Wenn ihr jetzt Pech habt und die falsche Farbe auf eurem Panzer drauf ist, müsst ihr jetzt Pink verwenden.

Laut Literatur findet man die passenden Farben in dem man ein gleichschenkliges Dreieck im Farbkreis bildet, der harmonische Dreiklang. In meinem Beispiel mal wieder für unsere Freunde des Militärs auf grün gestellt.

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Weiter hin heißt es sinngemäß: Es kann auch passen, wenn man sich nicht dran hält. verwirrt

Jetzt könnten wir weitermachen mit harmonischen Vierklang oder dem musikalischen Farbdreiklang. Aber das schenken wir uns mal.

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Die Farbwahl ist viel mehr eine Frage des persönlichen Geschmacks, muss/kann zu den „Eigenschaften“ des Motivs passen z.B. Blau = kühl; Rot = warm. Oder einer gewohnten Ansicht entsprechen z.B. Blau für Schiffe, Naturfarben für den Panzer.
Bei Farben sollte man bedenken, dass sie ein wichtiges Element eines Bildes werden und jeder Betrachter sich seinem eigenen Reim auf dessen Bedeutung macht.

Beispiel: Wer seinen grünen Kampfpanzer vor pinkfarbenen Hintergrund fotografiert und in einem Modellbauforum präsentiert, muss sich nicht wundern, wenn die meisten Fragen sich nicht ums Modell drehen. Es werden Fragen kommen ob er sich da nicht vertan hätte. Erklärt er aber er sei Pazifist und wolle so eine politische Botschaft rüberbringen, dann ist das plötzlich Kunst und damit O.K. Augenzwinkern

Also vorher überlegen was man mit seinem Bild sagen will.
Stellt er seinen Panzer in einem Diorama dar heißt es: Klasse Modell, tolle Fotos, super präsentiert.
Vor neutralen Hintergrund wird wieder das Modell in den Vordergrund gestellt, da es für uns ein gewohntes Bild ist (aus Katalogen, eBay, etc.), beschränken sich Lob und Tadel ausschließlich auf das abgebildete Modell.

Vertraut einfach eurem Auge und Geschmack, und probiert etwas aus! Und im Zweifelsfall ist Abgucken von Anderen erlaubt. Aber bloß nicht von Modeschöpfern. Was heute noch super zusammen passt, geht morgen gar nicht.

Mal ein Bsp. aus meinem Archiv:

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Nett. Ist scharf. Hell. Man erkennt alles. Genau was ein Modellbauer brauch. Aber nur nett.

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Details verschwinden. Antenne weg. Hintere Luftleitbleche weg. Der Stern auch. Ziemlich dunkel. Aber optisch interessanter, nach meinem Geschmack.

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